Einige Zahlen und Fakten über Jungen

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Seit der Veröffentlichung der Ergebnisse der PISA-Studien sind die schulischen (Miss)erfolge von Jungen in das Blickfeld der (Fach-)Öffentlichkeit gerückt. Durch den Amoklauf von Winnenden erhalten Jungen in Pädagogik, Politik und Wissenschaft aktuell beachtliche Aufmerksamkeit. Im Folgenden einige Fakten über die Situation von Jungen.

  • Bei der Beteiligung an Gewaltdelikten sind Jungen nicht nur öfter unter den Tätern, sondern auch unter den Opfern zu finden. Die Zahl der Täter und Opfer korreliert hierbei mit dem Bildungsniveau. 97,7% aller im Jugendstrafvollzug sitzenden sind männlich. Unter den Erwachsenen sind es 95%. Darüber hinaus sind männliche Jugendliche unter 20 Jahren dreimal häufiger in Verkehrs- und andere Unfälle verwickelt als Mädchen. Ihre Selbstmordrate ist fast viermal so hoch.
  • Jungen sind 3-8 Mal häufiger von Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störungen (ADHS) und 3-4 Mal häufiger von Lese-Rechtschreibschwächen (LRS) betroffen als Mädchen. Sie zeigen häufiger aggressives und dissoziales Verhalten und leiden deutlich öfter als Mädchen unter psychischen und psychosomatischen Störungen wie zum Beispiel Stottern, Einkoten, Asthma, motorische Störungen, Zwangsstörungen, Autismus, Psychosen, Perversionen, Spielsucht oder Suchtmittelmissbrauch. Damit ist ein Teil der Jungen körperlich, emotional und sozial erheblich beeinträchtigt.
  • Vorschulische Einrichtungen und Primarstufe sind feminisiert: der Männeranteil in Kindergärten liegt bei 2%, in der Grundschule bei 13%. Im Vergleich zu den Mädchen fallen sowohl die Schulabschlüsse als auch die Leistungen tendenziell zu Ungunsten von Jungen aus: In allen Fächern erhalten Jungen bei gleichen Kompetenzen schlechtere Noten als die Mädchen. Jeder zehnte Junge bleibt ohne Schulabschluss. Jungen müssen häufiger eine Klasse wiederholen als ihre Mitschülerinnen, insbesondere am Gymnasium. Je geringer qualifizierend die Schulform, desto höher der Anteil an Jungen.
  • Jungen begreifen Schule in hohem Maße als sozialen Raum. Das soziale Geschehen innerhalb der Klasse und insbesondere der männlichen Peer-Group bestimmt für Jungen maßgeblich den Schulalltag, in dem die Orientierung an Männlichkeitsnormen eine wichtige Rolle spielt. Diese Orientierung geht teilweise mit Desinteresse für Unterrichtsstoff bzw. mit geringerer Motivation einher, was negative Folgen für den schulischen Erfolg nach sich zieht. Die Jungen sind in der Schule viel häufiger als die Mädchen unbeliebt und Außenseiter, was eine zusätzliche Belastung beim Lernen darstellt.
  • Übermäßiger Medienkonsum und negative Schulleistungen korrelieren miteinander. Der bedeutendste Aspekt in dieser Hinsicht liegt im Konsum gewalttätiger Darstellungen in Filmen oder Computerspielen, da diese sich sowohl negativ auf das neuronale System auswirken als auch antisoziales Verhalten verstärken können. Jungen verbringen durchschnittlich 3,3 Stunden pro Tag vor Bildschirmmedien.
  • Ein erheblicher Teil junger Männer hat aufgrund fehlender Abschlüsse, gesellschaftlicher Ausgrenzung und mangelnder Motivation sehr große Schwierigkeiten auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Für Migranten verstärkt sich dieser Effekt. Jungen orientieren sich in ihren Berufswünschen sowie den Ausbildungswegen an tradierten Geschlechterbildern und ergreifen Berufe im handwerklichen und industriellen Bereich. Dies kann sich aufgrund des Wandels zur wissensbasierten Dienstleistungsgesellschaft zunehmend als riskante Strategie erweisen. In der beruflichen Laufbahn schneiden junge Männer auf der anderen Seite häufig erfolgreicher ab, denn sie ergreifen meist besser bezahlte und karriereorientiertere Berufe als Mädchen.