Jungenpolitik in Potsdam

Meinungsmache und Angst!?

Replik zur Berichterstattung und Politik zur Jungenarbeit in Potsdam

Bedauerlicherweise wurde MANNE in einem Pressebericht (MAZ vom 23.10.09) in ein schlechtes Licht gerückt. Von „Mißmanagement“ ist die Rede – so die Einschätzung von einigen Politikern aus der Stadtverordnetenversammlung von Potsdam, und geäußert wurden diese Zuschreibungen und Vermutungen just im Zusammenhang eines Antrages einer Stadtfraktion zur Kofinanzierung der Fachstelle Jungenarbeit. Mit den Hinweisen, dass die Aufgaben dieser Fachstelle bzgl. einer geschlechtsbewussten Jugendarbeit Sache des Landes sei, ein Konzept für ein kommunale Förderung fehle und es bereits andere Träger in der Stadt gebe, die eine solche Arbeit leisten, scheinen ausreichend Gründe vorgelegt zu sein, dass dieser Antrag in der Stadtverordnetenversammlung auf breiter Front abgelehnt wurde. Wir behaupten nicht, dass diese Argumente jeglicher Grundlage entbehren, sie geben jedoch einen einseitigen Blickwinkel wider und schützen damit vor jeglicher ernsthafter Auseinandersetzung.

Zu einem ganz anderen Bild kommen wir, wenn wir einen anderen Blickwinkel einnehmen:

  • Potsdam profitiert seit den Anfängen dieser einzigartigen Arbeit Mitte der 90er Jahre. Das Konzept und die Förderung der Fachstelle Jungenarbeit in zwar landesweit ausgerichtet, durch den Sitz des Trägers in Potsdam nehmen andererseits aber viele Potsdamer Jugendliche und Fachkräfte die Angebote wahr.
  • Im Zuge der Förderung der Fachstelle Jungenarbeit durch die Aktion Mensch war der Verein sehr, um nicht zusagen „über-erfolgreich“: so wurde der Verein sowohl mit der Durchführung eines 3-jährigen Bundesmodellprojektes („Jungenarbeit und Gewaltprävention“) beauftragt als auch etliche große Projektaufträge im Programm „Initiative Oberschule“ akquiriert. Gleichzeitig hilft dem Verein Projektförderungen nicht wirklich beim Erwerb eines steigenden Eigenanteils an der „Grundförderung“ von Aktion Mensch.
  • Um Eigenmittel für die Grundförderung in Höhe von über 100.000 Euro (30% ) über 5 Jahre in der Jugendarbeit zu erzielen, ist ohne zusätzliche Mittel von Dritten schwer stemmbar. Unsere anvisierte Strategie, über weitere Stiftungen und Preise eine solide Kofinanzierung zu sichern, ist leider nicht aufgegangen. Für solche Umstände, dass unternehmerische Kalkulationen nicht aufgehen, entscheidet sich die öffentliche Hand an anderer Stelle schon einmal schnell zu einer Unterstützung – zumal der Nutzen offen zu Tage liegt. Die exzellente pädagogische Arbeit wird in weiten Fachkreisen immer wieder genannt und auch von politischer Seite uns bestätigt. Dass wir mitten in diesem Wachstumsprozess den Ausfall unseren Geschäftsführers verkraften mussten, war nicht ganz ohne Anpassungsschwierigkeiten zu meistern.
  • Für die angestrebte Unterstützung durch das Land für das 5. Förderjahr und die anschließende Übernahme der Förderung der Fachstelle durch das Land führen wir fortlaufende Gespräche im engen Kontakt mit der Landesverwaltung.

Bei allem Gesagten drängt sich uns so der Verdacht auf, dass die vorgebrachten (Gegen-) Argumente ganz gezielt den Blick auf die Positivbilanz verstellen sollen und wir befürchten, dass dahinter noch immer alte Reflexe der Abwehr wirken. So manche Frau fürchtet schlichtet um die knappen Ressourcen für die Geschlechterförderung, andere halten schlicht am Bild der Benachteiligung von Frauen fest und wollen einen anderen Blickwinkel gar nicht einnehmen. Und so mancher Mann – neben und auf der politischen Bühne – fürchtet seinerseits insgeheim eine Auseinandersetzung mit männlichen Identitätsentwürfen und Rollenbildern und hält diesen Diskurs schlichtweg für eine Luxusdiskussion.

Genau auch diesen Erfahrungen heraus sehen wir uns bestärkt, unsere Arbeit stärker in einen größeren Diskurs einzubinden. Geschlechtsbewusste Arbeit mit Jugendlichen ist kein Luxus, sondern bestimmt wesentlich unsere Realität mit – heute und v.a. als Investition für morgen, in Schule, Beruf, Familie und Gesellschaft.

gez.
Wolf D. Best
Geschäftsführer